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Vorgestellt: Astrid Kaspar

Am 6. Juni hat die Generalversammlung Astrid Kaspar zur ersten hauptamtlichen Vorstandsfrau in der Geschichte der WeiberWirtschaft gewählt. Im Gespräch mit Astrid Kaspar war Džordana Gracevičiūtė.

 

Wie fühlst du dich in deiner neuen Rolle als Vorstandsfrau?
Als die Abstimmung in der Generalversammlung einstimmig war, sind mir mehrere Steine vom Herzen gefallen. Die Wahl zur ersten hauptamtlichen Vorstandsfrau ist für die WeiberWirtschaft historisch und bringt eine Menge Herausforderungen mit sich. Jetzt muss ich sicherstellen, dass ich den Ansprüchen gerecht werde.

Warum bist du die passende Frau für diese Stelle?
Ich bin studierte Architektin und habe jahrelang in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet. Ich habe mit Freund*innen zusammen ein Bauprojekt hochgezogen: Wir haben unser eigenes Haus mit 21 Wohnungen gebaut. Zudem habe ich jahrelang als Selbständige gearbeitet und musste mich damit auch mit Finanzen auseinandersetzen. Und letztendlich – ich habe Lust darauf. Nach einer jahrelangen freiberuflichen Tätigkeit als Einzelkämpferin bin ich hier angekommen, in einem Team, das ich großartig finde und in einem Unternehmen, dessen Werte ich teile. 

Worauf freust du dich am meisten und wovor fürchtest du dich?
Ich freue mich total auf die nächsten Projekte. Vor 30 Jahren wurde hier die erste ökologische Sanierung eines Gewerbehofs in Berlin durchgeführt. Das nächste Ziel ist es, unseren Gewerbehof in die Zukunft zu führen, d.h. noch nachhaltiger und von fossiler Energie unabhängig zu werden. Aber die politische Entwicklung macht mir Sorgen. Das derzeitige politische Klima ist für Frauen nicht von Vorteil, was Konsequenzen mit sich bringen kann, z.B. Streichung von Förderungen usw. 

Welche großen Projekte und Herausforderungen stehen bereits bevor?
Seit über einem Jahr warten wir auf die Bewilligung eines Förderantrags für die Fassadenbegrünung. Wir brauchen sie, weil unser Standort hier in Berlin-Mitte im Sommer buchstäblich zu einem Hot-Spot wird. Deswegen wollen wir unsere Südfassaden begrünen. Das ist eine klimafreundliche Lösung für die Kühlung von Gebäude und Umgebung. Das nächste Projekt ist unsere Heizungsanlage. Aktuell sind wir auf Gas angewiesen und das wollen wir ändern. 

Was ist deine Vision für die WeiberWirtschaft?
Meine Vision, Ziel und Wunsch für die WeiberWirtschaft ist, klimaneutral zu werden und finanziell abgesichert zu sein. Wenn ich nach 10/15 Jahren gehe, will ich mit gutem Gewissen den Gewerbehof an die nächste Generation übergeben. 

Wie bist du außerhalb der WeiberWirtschaft?
Dann bin ich einfach Astrid. Um mich zu entspannen, stecke ich meine Hände in die Erde. Ich habe einen Garten und bin tomatenverrückt. Ich habe jedes Jahr um die 50 Sorten und natürlich jedes Jahr verschiedene, denn mit über 3000 verschiedenen Tomatensorten ist man nie am Ende angekommen. Ich freue mich drauf, dass wir im Sommer mit dem Team meine Tomaten verkosten. Ich bin auch ehrenamtlich im Kleingartenverein in der Kulturgruppe und organisiere kleine Feste. Ich bin ein sehr sozialer Mensch, ich mag es, Leute um mich herum zu haben.

Und zum Schluss – wie bist auf die WeiberWirtschaft gekommen?
Während des Architekturstudiums habe ich bei der Neugründung eines Verlages mitgearbeitet. Wir hatten eine Reihe, die „Stadtwandel in Zeiten des Klimawandels“ hieß. Darin wurden innovative Bauprojekte vorgestellt, u.a. auch die WeiberWirtschaft. Deren Geschichte hat mich damals umgehauen, dass so eine moderne Sanierung bereits in den 90er Jahren gemacht wurde. So habe ich die Genossenschaft kennengelernt. 10 Jahre später kam meine Nachbarin zu mir mit einer Stellenanzeige in der Hand und meinte, dass die WeiberWirtschaft nach einer Mitarbeiterin sucht. Ich habe mich beworben, war im Vorstellungsgespräch und kurz darauf kam der Anruf mit einem Jobangebot. Und ein paar Jahre später bin ich die erste hauptamtliche Vorstandsfrau, haha. Crazy.

 

© anke grossklass